Blick vom Kirchturm Richtung Mauersee (ca. 1937)

Die Geschichte der Stadt im Überblick

1335 In der Epitome gestorum Prussie, (ehem. Staatsbibliothek Königsberg) deren Abfassung wahrscheinlich im Jahre 1338 abgeschlossen war, wird die Angerburg erstmalig erwähnt. Der Verfasser dieser Geschichtsquelle des Ordenslandes bezeichnet sich selber als einen samländischen Domherren. Es handelt sich hierbei nach Krollmann um den Domherren Konrad, der später Pfarrer der Altstadt Königsberg war. 
In der Chronik mit der Bezeichnung
Canonicus Sambiensis erscheint folgender Eintrag: "
Angirburg edificatur 1335". 
Es handelte sich hierbei um eine Wildburg (Wildhaus), einem Blockhaus mit Palisadenzaun und einem Wachturm. Es lag auf einer Insel zwischen zwei Flussarmen, von denen der westliche (Worape) später zugeschüttet wurde. Der Name der Burg stammt von der Angerapp (=Aalfluss), dem östlichen Flussarm.

(Ein Zusammenhang mit der prußischen Burg
Angetete ist zweifelhaft. Bei den im Mauersee gefundenen Pfahlreihen handelte es sich um Überreste einer ehemaligen Brücke). 
1341 In einem "Entwurf einer Verschreibung über die erste Ansiedlung bei der Angerburg" werden 12 Stammespreußen namentlich erwähnt, die ihrer treuen Dienste wegen vom Orden mit sechs kulmischen Hufen am Fluss Worape und einem kulmischen Morgen am Fluss Angrabe (=Angerapp) belehnt wurden. Diese Prußen waren als Inhaber ihrer Freigüter dem Orden zum Dienst mit Pferd und Waffen bei Kriegszügen verpflichtet.
1365 Zerstörung des Hauses Angerburg durch den Litauischen Großfürsten Kinstutte
1398 Im Jahre 1398 wird an der Stelle des früheren Wildhauses vom Deutschen Ritterorden ein Ordenshaus, die neue Angerburg, aus Stein und Ziegeln gebaut. Es dient als Stützpunkt für die Pfleger und wird zur Erschließung der Wildnis angelegt.
Johann (Hans) von Posilge erwähnt in seiner Ordenschronik die neu erbaute Burg mit dem Satz: "
Item in desin ziten buwete der Marschalk eyn huss off der Angerapp ... "
1450 Es gibt bei Angerburg drei Krüge, der älteste war der Amtskrug.
1490 Aufstauung des Mauersees beim Bau der Wassermühle. Das Wasser stieg um 2 bis 3 Meter und setzte damit flache Landteile unter Wasser. Der See weitete sich nach Süden hin aus.
1491 Bischof Lukas von Watzenrode erteilt die Genehmigung zum Bau eines kleinen Gotteshauses
1507 Der Wirtschaftsbetrieb umfasste das Gebiet östlich der Burg, das spätere Gut Angerburg, dessen Wiesenflächen sich nach Osten der Vorburg anschlossen.
(Bestandsaufnahme: 1507 5 Pferde, 1513 4 Pferde, 14 Zugochsen, 1525 9 Pferde, 18 Ochsen). Der Ausbau des Betriebes machte schließlich die Anstellung eines Ordensbeamten,
des Kämmerers, notwendig.
1514 Angerburg wird ein selbstständiges Kammeramt.
Der Ort erhält unter dem Namen Neudorf oder Gerothwol eine neue Verschreibung vom Hm. Albrecht, in welcher 60 Hufen, darunter 6 für den Schulzen Michel Pankewitz, ausgeworfen
werden. 
1520 Nach der Gründung des westlichen Herzogtums Preußen ist das Schloss Sitz der Amtshauptleute.
1528 Eine Kirche aus Holz wird in Neudorf erbaut und zwar lag sie näher am Schloß , dem späteren Landratsamte gegenüber.
1560 Weiterer Aufstau (s. 1490) des Mauersees um 2 bis 3 Meter durch eine Vergrößerung des Stauwehrs.
1571 Die im Schutze der Burg erschlossene Siedlung  genannt Neudorf oder Gerothwol wird auf Antrag seiner Anwohner mit dem Hinweis auf ein Versprechen von Herzog Albrecht  (1490 - 1568) zur Stadt erhoben. Es wird herzöglich verkündet: " Das wir für nutz-, gut und rathsam erachtet, zu gemeinem Wachstumb, Ufnahme und Verbesserung unseres Fürstenthumbs eine neue Stadt in dem Ampte Angerburg und vor dem Hause oder Schloss daselbst anzulegen und zu erbauen ... Wie wir auch dieselbe Stadt hiemit Angerburg nennen und zu ewigen Zeiten genannt und geheissen haben wollen". (Abschrift Privilegium 4.April 1571)
1588 wird das erste Rathaus errichtet, etwa da wo später das Hotel Komm stand.
1608 Ein großer Brand vernichtet das Rathaus, die 1528 erbaute Holzkirche, 40 Wohnhäuser sowie 25 Scheunen und Stallgebäude.
1611 Fertigstellung einer neu erbauten Kirche.
1629 Während des Krieges gegen Schweden fallen die Polen unter Oberst Buttler plündernd in das Angerburger Land ein. Angerburger Bürger setzen sich zur Wehr. Im Verlauf des schwedisch-polnischen Erbfolgekrieges fallen die Polen weitere zwei mal in den Angerburger Raum ein.
1656, 57 Tartarenstürme auf Angerburg. Die Angerburger werden mit Mord und Brand heimgesucht.
1666 Im Hause des Pfarrers Andreas Hellwing wird sein Sohn Georg Andreas Hellwing geboren (1666 - 1748). Er machte mit seinen Beiträgen zu seinen heimatlich- wissenschaftlichen Forschungsarbeiten die Stadt Angerburg und sein Umland über Preußens Grenzen hinaus bekannt.
1709,10 Die große Pest rafft in Kreis und Stadt Angerburg insgesamt 3229 Menschen hinweg.
(1111 Menschen in Angerburg - Stadt).
Zuvor hatte die Pest bereits in den Jahren 1602, 1625 und1630 die junge Stadt heimgesucht.
1718 Angerburg wird Garnisionsstadt. Generalmajor Hans-Heinrich von Katte zieht mit 10 Kompanien in die Stadt ein. Erst 22 Jahre später rücken die Katte'schen Reuter auf den schlesischen Kriegsschauplatz ab.
1719 Der Rat beschließt die Anschaffung einer Feuerspritze.
1728 Der linke Arm der Angerapp wird bis auf den Hafen zu geschüttet. Das Schloß verliert den Charakter einer Wasserburg.
1729 Die Kirche wird durch Anbau von Kreuzflügeln erweitert. Hierfür gibt König Friedrich Wilhelm I.  2000 Thaler.
1730,33 Die Straßen werden mit Laternen versehen (Öllampen).
Es wird befohlen, alle strohgedeckten Dächer in Angerburg zu entfernen und durch Bedachung mit Dachpfannen zu ersetzen. 
1740 Bau des ersten Wasserleitungssystems in Angerburg. Entstehung eines neuen Marktplatzes. Bau von 10 Gebäuden, die als Kasernengebäude dienen sollten.
(Kasernen- später Bismarckstraße). Befestigung der Straßen. Entstehung eines Exerzierplatzes am Rande der Stadt.
1741 Umbau des Kirchturmes. 1743 Wetterfahne mit Namenszug Friedrich d. Großen.
1758-1763 Russische Besatzung während des 7 - jährigen Krieges. Die Einwohnerzahl reduziert sich von 1799 auf 1487.
1788 Die Generallandschaftsdirektion wird als zentrale Einrichtung für die Provinz in Angerburg eingerichtet.  (1782: 2213 Einw.)
-1806 In den letzten vier Jahrzehnten bis zum Kriege blühte der Handel und das Gewerbe auf.. Es entstand eine Saffian- und Juchtenlederfabrik. Der Getreidehandel war lebhaft und der Umsatz der seit 1717 bestehenden Salzfactorei stieg beachtlich. Nach Goldap hatte Angerburg die zweit - höchste Einwohnerzahl. (1801: 2397 Einw.)
1807 Auf Kosten der Stadt musste 1807 im Schloss ein russisches Militärlazarett eingerichtet werden. Kranke Russen verbreiteten Typhus. Nachfolgende Franzosen und Polen plünderten und requirierten in erheblichen Umfang.
1812,13 Bei Napoleons Zug nach Russland wiederholten sich die Übergriffe. Den anschließenden Befreiungskampf unterstützten die Bürger Angerburgs in vorbildlicher Weise. Der Unterdrücker Europas wurde besiegt aber die wirtschaftliche Erholung brauchte eine geraume Zeit. (1816: 2500 Einw.)
1820 - 1856 Den Interessen der Bürger kam die Verlegung des Landratssitzes nach Angerburg 1821 ebenso entgegen, wie die Einrichtung der kgl. Kreiskasse 1820, die Eröffnung der Postanstalt 1826 und des Landgerichts 1849, aber auch der Zuzug des Lehrerseminars 1828 sowie die Einrichtung einer Taubstummenschule 1833. Rückschläge erleidet die Stadt durch Cholera und Typhus in den Jahren 1831,1837,1855 und 1856 die beträchtliche Menschenopfer forderten. (1843: 3498 Einw.; 1852: 3541 Einw.)
1826 erhält der Kirchenturm ein Dach in Form einer achteckigen Laterne mit welscher Haube.
1834 wird ein Schulhaus angekauft, das später als Rathaus dient.
1856,57 Herstellung einer Schiffsverbindung über den Mauersee, Kanalisierung der Angerapp, Ausbau eines kleinen Hafens brachren wirtschaftliche Vorteile.
1858 Angerburg verliert für 55 Jahre sein Militär, was wirtschaftliche Nachteile bringt.
Die erste Steinstraße wird erst jetzt von Angerburg nach Gerdauen fertig gestellt.
1859 Die Generallandschaftsdirektion wird nach Königsberg verlegt. In dem Gebäude am Neuen Markt zieht anschließend eine Mädchenschule und zuletzt die Stadtkasse sowie das Polizeiamt ein.
1865 Die allgemeine Straßenbeleuchtung mit Petroleumlampen wird in Angerburg eingeführt. (1867: 4197 Einw.)
1877 Errichtung der Landwirtschaftsschule.
1878 Verlegung von Landgericht und Staatsanwaltschaft nach Lyck aufgrund der noch fehlenden Chaussee- und Eisenbahnverbindung Angerburgs, die Angerburgs Kreistag aus kurzsichtigen Gründen ablehnte. (1880: 4327 Einw.)
1898 Mit den erst spät geschaffenen Eisenbahnverbindungen gewinnt nun Angerburg als Handelszentrum wieder rasch an Bedeutung.
Errichtung der Bethesda - Anstalten durch Superintendent H. A. Braun.
Die Krüppelanstalten trugen den Namen der Stadt weit über Deutschlands und Europas Grenzen.
Inzwischen wurde die Fischbrutanstalt gegründet. (1890: 4301 Einw.)
1900,01 Als neue Einrichtung kommt das Mädchenerziehungsheim hinzu.
Durch die Errichtung des Gaswerkes kann die Petroleumbeleuchtung durch Gasbeleuchtung ersetzt werden.
Die städtischen Brunnen werden durch das neu errichtete Wasserwerk überflüssig. (1900: 5030 Einw.)
1906 Die Verlegung der Taubstummenanstalt nach Tilsit bedeutet für Angerburg einen herben Verlust. Das freigewordene Gebäude wird als Kreisverwaltung verwendet.
1913 Angerburg wird wieder Garnisionsstadt. (1910: 5754 Einw.)
1914 Die kurze russische Besetzung der Stadt und die anschließenden Kampfhandlungen brachten der Stadt keine nennenswerten Sachschäden.
Nach dem Kriege werden auf beiden Seiten der Nordenburger Straße neue Kleinsiedlungen erbaut. Weitere Gebäude entstehen auf dem früheren Amtsgut sowie auf dem Gut Wittko. Zahlreiche landwirtschaftliche Siedlungen entstehen auf den Flächen der ehem. Güter Rothof, Waldheim und Reußen.  
1920 Errichtung einer Warmbadeanstalt und einer modernen Friedhofskapelle als Achteckbau.
1921 Das aus den abgetretenen Gebieten, in den Bethesda - Anstalten aufgenommene evangelische Predigerseminar muss aus finanziellen Gründen nach Karlshof bei Rastenburg verlegt werden.
1924 Auflösung des Lehrer-Seminars. Neueinrichtung einer Aufbauschule.
1925 Es erfolgt die Elektrifizierung Angerburgs. (1925: 6927 Einw.)
1930,31 Die Stadt erhält die Vollkanalisation.
Der 1820 erworbene Stadtwald wird vergrößert, indem ein Teil des früheren Exerzierplatzes durch Wohlfahrtserwerbslosen aufgeforstet wird.
Der planmäßige Schiffsverkehr diente der Förderung des Fremdenverkehrs.
Zahlreiche Sportstätten dienten dem Rasen- Wasser- und Wintersport.
(1930: 7743 Einw.)
1934 Der Einzug des Reiter-Rgt. Nr. 2 in die ehemalige Jägerkaserne bringt der Stadt neues Wachstum an Wirtschaft, Kultur- und Sportleben. Die Gebäude des ehem. Amtsgutes wird als Heeresverpflegungsamt eingerichtet.
(1933: 7823 Einw.)
1936 es wurde die Eingemeindung Kehlens ausgesprochen, jedoch aufgrund des Widerstandes seiner Einwohner (aus steuerlichen Gründen) gleich wieder aufgehoben.
-1945 Das Stadtgebiet besteht aus folgenden bewohnten Ortsteilen: Gut Angerburg, Angerburg Stadtwald, Angerhof, Birkenhain, Johannishof, Leitnersfelde, Reußen, Rothof, Schönbrunn, Waldheim. Auf einer Fläche von 3123,2 ha lebten nach der Volkszählung von 1939 10922 Einwohner.
1945 Ende Januar 1945 erfolgte der Russeneinmarsch in Angerburg. Die Stadt wurde zuvor geräumt. Als Ausweichstelle für die Angerburger Bevölkerung war zunächst Heilsberg vorgesehen. Die Stadt wurde zu einem großen Teil
niedergebrannt.